In seiner Formensprache verkörpert der Figurenentwurf von Alexander Amm alles, was die Initiatoren des Bewegungskunstpreises inhaltlich mit der Auszeichnung würdigen möchten: Die Beharrlichkeit aller freien Tanz-, Theater und Performance-Künstler und deren Mut, künstlerische Arbeiten, die ohne oder mit sehr geringer Förderung auskommen müssen, trotzdem einem Publikum zu präsentieren. Sie bilden einen Bereich der Kunst, in dessen Mittelpunkt der Mensch, seine Bewegungen und seine Fähigkeit zum szenischen Verarbeiten stehen. Von Kunstschmied Theo Braun geformt und ins Leben geholt, verdichtet die Preisfigur diese Aussage in einer hochwertigen und ästhetisch anspruchsvollen Arbeit.

Die Preisfigur

In seiner Formensprache verkörpert der Figurenentwurf von Alexander Amm alles, was die Initiatoren des Bewegungskunstpreises inhaltlich mit der Auszeichnung würdigen möchten: Die Beharrlichkeit aller freien Tanz-, Theater und Performance-Künstler und deren Mut, auch ristkante künstlerische Arbeitendem Publikum zu präsentieren. Sie bilden einen Bereich der Kunst, in dessen Mittelpunkt der Mensch, seine Bewegungen und seine Fähigkeit zum szenischen Verarbeiten stehen. Von Kunstschmied Theo Braun geformt und ins Leben geholt, verdichtet die Preisfigur diese Aussage in einer hochwertigen und ästhetisch anspruchsvollen Arbeit.

Der Bewegungskunstpreis

Idee und Initialzündung für die Auslobung eines jährlichen Kulturpreises kamen von Ronald Schubert, dem Konzeptentwickler und Vorsitzenden des Leipziger Bewegungskunst e.V. und der ehemaligen Geschäftsführerin des Leipziger Anzeigenblatt Verlages (LAV), Helga Pappelbaum. Thomas Jochemko, jetziger Geschäftsführer des LAV, setzt das kulturelle Engagement des Unternehmens kontinuierlich und leidenschaftlich fort. Hinter der Idee steckt das Vorhaben, der freien Leipziger Kulturlandschaft, insbesondere den darstellenden Künsten, einen Glanzpunkt zu verleihen. Die jährliche Verleihung eines Jurypreises honoriert herausragende Leipziger Produktionen aus der jeweiligen Spielzeit.

Seit 2012 steht der Bewegungskunstpreis unter Schirmherrschaft von Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung.

Einbezogen werden Produktionen des zeitgenössischen Tanzes, der Performance-Kunst, des Tanztheaters bzw. Theaters. Der Leipziger Bewegungskunstpreis versteht sich als Förderpreis für künftige Inszenierungen. Er ist mit 5.000 Euro eine der höchstdotierten Auszeichnungen für Darstellende Kunst in Deutschland.

Der Name Bewegungskunstpreis trägt zum einen die Eigenschaft der darstellenden Künste in sich, immer bewegt und oft bewegend zu sein und zum anderen die Bewegung der Kultur durch bürgerschaftliches Engagement zur Förderung des Theaters, des Tanzes und der Performance-Kunst.

Die Leipziger Kulturszene hat viel zu bieten. Es gibt über zahlreiche Initiativen, Vereine, Gruppen, Regisseure/Regisseurinnen und Choreographen/Choreographinnen, die in der nicht öffentlich-rechtlichen (sog. „freien“) Szene agieren. Dass die freie Szene auch als „arme“ Szene bezeichnet werden kann, ist dabei allgemein bekannt. Die sich immer weiter verschärfende Situation schrumpfender öffentlicher Haushalte und damit einhergehende Verteilungskämpfe um den „Kulturkuchen“ lassen die Arbeit für freie Theaterschaffende immer schwerer werden. Zunehmendes privates Engagement ist daher gefragt.

Hauptförderer sind Leipziger Rundschau, Sachsen-Sonntag und deren Kunden.

Preisträger 2017

WONDERWOMEN 
von Melanie Lane
 

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Nominierte für den Leipziger Bewegungskunstpreis 2017

„Surround“ - Overhead Project

Surround - Presse - Ingo Solms 04

Ein Stück über das Verhältnis des Menschen zur Herde, ein Performance-Parcours zwischen führen und führen lassen.

Alles dreht sich. Die Sorgen um die globalen politischen Veränderungen schlagen um sich. Bei so viel Rechts-Verliebtheit scheint doch vor allem eines auf dem Spiel zu stehen: die Demokratie. Als würden Freiheit und Gleichheit wieder zur Utopie. Unser System ist in der Krise oder zumindest auf sehr genauem Prüfstand, und die Autoritären nutzen die Gunst der Stunde. Es ist vor allem der Sehnsuchtsschmerz nach der Macht, der einen mitreißenden Strudel verursacht. Und die wichtigste Frage ist: Bist du drin oder draußen? Im Vormarsch der Mächtigen muss nun jeder seinen Platz finden – im Herdentritt, am Rand oder doch mit den Zügeln in der Hand.

Jurybegründung Alle versuchen, sich dem Pauschenpferd gegenüber zu positionieren, das als Pendel durch den Raum schwingt. Der Kopf weiß: Die Gesetze der Physik lassen sich nicht außer Kraft setzen. Der Bauch ahnt: Es gibt keine Sicherheit. Das fasziniert, macht Angst, erfordert Mut. Die zwei Akrobaten und zwei Tänzerinnen von Overhead Project entwickeln in dieser außergewöhnlichen Raumsituation ebenso außergewöhnliche tänzerische Muster, bewegen sich um die Mitte, formen das Publikum und liefern es den unheimlichen Kräften aus.

Overhead Project ist das Akrobaten- und Choreografenduo Tim Behren und Florian Patschovsky, das seit 2008 an der Grenze von Zeitgenössischem Zirkus, Tanz und Performance arbeitet. Wo Provokation auf Vertrauen, Zusammenhalt auf Abstoßung und Höhe auf Fallen trifft, zerlegen ihre Choreografien das, was zwischen zwei Körpern, was zwischen zwei Menschen liegt.

Als Akrobatenduo an der renommierten Brüsseler Zirkushochschule Ecole Superieure des Arts du Cirque (ESAC) ausgebildet, zog es das Duo anschließend in die zeitgenössische Tanzszene. Ihre Basis haben sie in den Städten Tübingen (BW) und Köln (NRW). Ihre Arbeiten wurden vielfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet (u.a. No Ballet Ludwigshafen, Szolo Duo Budapest, Tanzpreise der Städte Stuttgart/Bern/Köln/Jerusalem, Förderpreis NRW).

Die Arbeiten von Overhead Project sind stark durch eine multidimensionale Perspektive auf Bewegung geprägt, sowie einem Spiel mit der Irritation und einer Reflektion zur Bühne als Ort des Sich-Darstellens. Die beiden Akrobaten waren bereits während ihrem Studium in Brüssel von der flämischen Tanzszene inspiriert. Dies erweiterte sich später durch den Einfluss mehrerer Künstlerpersönlichkeiten. Hier ist der norwegische Performance Art Regisseur Rolf Alme, auf den sie noch während ihres Studiums trafen, zu nennen; sowie dann später die israelische Choreografin Maya Matilda Carrol, der australische Choreograf Gavin Webber und die Berliner Regisseurin Anne Hirth.

2015 wurde Overhead Project der Förderpreis für junge KünstlerInnen vom Land Nordrhein-Westfalen für ihr bisheriges herausragende künstlerische Schaffen verliehen. Im Katalog der Tanzplattform Deutschland 2016 werden sie als eines von 55 Ensembles vorgestellt, die in den letzten Jahren maßgebliche Impulse in der freien Szene gesetzt haben.

Beteiligte
Konzept: Tim Behren | Leitung + Kreation: Tim Behren, Florian Patschovsky | Kreation + Performance: Mijin Kim, Susanne Schneider | Produktionsleitung: Theresa Hupp, Jari Ortwig | Dramaturgische + Philosophische Beratung: Eric Eggert | Musikalische Komposition + Musikdramaturgie: Simon Bauer | Lichtkreation: Charlotte Ducousso | Kostüme: Sabine Schneider | Technische Begleitung + Rigging: Anders Jensen, Garlef Keßler | Produktionsleitung: Theresa Hupp | Management + PÖ mechtild tellmann kulturmanagement | Foto: Ingo Solms

Eine Produktion von Overhead Project in Koproduktion mit LOFFT – DAS THEATER.

Gefördert von der Stadt Leipzig, Kulturamt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushaltes. Gefördert durch den Landesverband Freie Tanz- und Theaterschaffende Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg; Kunststiftung NRW; Stadt Köln, Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen; RheinEnergieStiftung Kultur; NATIONALE PERFORMANCE NETZ (NPN) Koproduktionsförderung Tanz aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Unterstützt durch: Maschinenhaus Essen, Zirkus Paletti Mannheim, Tollhaus Karlsruhe, ehrenfeldstudios Köln, ZAK Zirkus- und Artistikzentrum Köln, Artistraum Berlin.

„Unser großes Album elektrischer Tage“ - James & Priscilla


Eine Gruppe von Kindern wird von ihrer Mutter verlassen. Statt ihren widersprüchlichen Erinnerungen nachzuhängen, entschließen sie sich ihr Haus zu verlassen und sie zu suchen. Dabei stoßen sie an die Grenzen dessen, wer diese Frau überhaupt ist. Sie fragen sich, ob es so etwas wie feste Identitäten gibt und warum alle in ihren Rollen gefangen sind - sei es Mutter, Kind oder irgendetwas anderes.

James & Priscilla verschneidet den schillernden Text von Johanna Maxl mit Popsongs der letzten Jahre und erzählt so Geschichten aus der Sicht der Kinder (She was so good at being in trouble - Unknown Mortal Orchestra) und der Mutter (All you want is Nikes - Frank Ocean). Mit ihrer Form des minimalistischen Konzert-Theaters erschafft die Gruppe auf der Bühne ein Album voller Sehnsucht und den großen Versprechen von Pop-Musik: Emanzipation und Verbundenheit.

Jurybegründung Memories are made of this: "Unser großes Album elektrischer Tage" ist Low Budget Pop Oper über den Traumstoff der Kindheit und der Erinnerungen. Ein minimalistsiches Musik-Theater der Hildesheimer Performancegruppe James & Priscilla, basierend auf dem Roman der Leipziger Autorin Johanna Maxl. Eine Bühnenphantasie in Lakonie und auf leuchtenden Schuhen.

James & Priscilla arrangieren Texte und Musik aus Popsongs als Theaterinszenierungen. Das Ergebnis kann Pop-Oper genannt werden, minimalistisches Bildertheater oder abstraktes Live-Hörspiel. Durch den gezielten Einsatz von Gestik, Mimik und Andeutungen von Tanz ersetzen sie die große Geste und erschaffen eine zeitgenössische Form von Pathos. Die Gruppe wurde 2009 von Studierenden der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis in Hildesheim gegründet. Die bisherigen Produktionen sind Badlands (2010), End of a Century (2011), The Love Below (2012) A Tender Age (2013) Nightcalls (2015) und Pop Music Pieces (2016). James & Priscilla hat bisher u.A. bei den Festivals theaterszene europa in Köln, Out Now! in Bremen, Spurensuche in Köln, Augenblick mal! in Berlin und Licht.blicke-Festival in Nürnberg teilgenommen.

Beteiligte
Von und mit: Clara Minckwitz, Felix Scheer, Nicolas Schneider, Aishe Spalthoff, Jasper Tibbe | Assistenz: Miriam Bähr | Produktion: Zwei Eulen - Büro für Kulturkonzepte | Foto: Jakub Simcik

Eine Theaterproduktion von James & Priscilla in Koproduktion mit den Cammerspielen Leipzig

"Django – ein Cartoon-Western" - Larsen Sechert

Westernheld Django kehrt in seine Heimatstadt zurück. Er will sich rächen. An wem weiß er noch nicht. Da sich aber jeder gute Westernheld irgendwie rächen muss, wird auch Django sich rächen. Dieser Cartoon-Western wird im Stile der Geräuschpantomime wesentliche Szenen aus Sergio Corbuccis gleichnamigen Film aus dem Jahre 1966 enthalten. Dieser Film löste eine Welle von Django-Filmen aus. Diese Soloshow rast mit wilden Schießereien und absurd-grotesken Faustduellen von einem zum anderen Spektakel.

Jurybegründung Larsen Sechert kann es – und dafür braucht er nur ein paar Hüte und Kartons. Mit präziser und energiegeladener Körperarbeit bringt er nicht nur die Figuren des „ruthless violent film“ und Italowestern-Klassikers von 1966 auf Trab, sondern vor allem die Phantasie des Publikums. Rasend schnell wechselt er zwischen verschiedenen Saloongestalten, berittenen Bösewichten, zwischen Sarg, Huhn, Treibsand, Kugelhageln, Djangos Liebschaft und einer unvergesslichen Schwingtür hin und her. Secherts Solo steckt an und beeindruckt. Durch das hohe technische Geschick, das das Spiel mit dem Unsichtbaren erfordert– und umso größeres sinnliches Vergnügen macht.

Larsen Sechert, Studium in Leipzig, Schauspielausbildung in Konstanz, 2003 Gründung Knalltheater, seitdem deutschlandweit als Clown und Mime unterwegs, Beteiligungen an Projekten mit Krystallpalast Varieté, Theater Titanick, Theaterturbine u.a.

Beteiligte
Spiel: Larsen Sechert | DJ am Pult: Andreas Vent-Schmidt| Mithilfe bei den Proben: Martin Kiefer (Zirkusmanufaktur) und Matthias Marquitz (CamüVelü) | Foto: Silvana Kuhnert

Weitere Bewerber 2018

GIFT - Eine Ehegeschichte

Ein Paar trifft sich zehn Jahre nach seiner Trennung in der Wartehalle eines Friedhofs wieder. Jener Friedhof, auf dem das gemeinsame Kind begraben liegt. Das Stück erzählt in einer dramaturgisch ausgefeilten und sensiblen Enthüllungsdramatik diese Wiederbegegnung. Im Verlauf des Dialoges wird klar, dass SIE und ER es nicht vermocht hatten, den Verlust ihres Sohnes, der bei einem Autounfall ums Leben kam, gemeinsam zu verarbeiten und die Beziehung nicht zuletzt an der gegensätzlichen Art des Trauerns zerbrochen ist. Während ER nach der Trennung versucht, sich langsam ein neues Leben aufzubauen, verharrt SIE in einem Leben, das den Verlust nicht akzeptiert.

Ein eigenartiger, schicksalhaft anmutender Anlass führt die beiden nach Jahren des Schweigens wieder zusammen und eröffnet den Raum für eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, mit dem anderen, mit sich selbst. Erinnerungen, lang gehegte Fragen, bisher unausgesprochene Vorwürfe verdichten sich zu einem schmerzhaft-klärenden Dialog, der die Themen Verlust, Tod und Trauer untergründig und niemals vordergründig verhandelt. Die ungeheure Kraft des fragmentarischen Textes und die brillante Figurenpsychologie Vekemans lassen eine dichte Atmosphäre entstehen.

Ein Zweipersonenstück der preisgekrönten niederländischen Autorin Lot Vekemans, in Szene gesetzt durch die Leipziger Theatercompagnie erweiterte zugeständnisse leipzig/wien.

Beteiligte
MIT VERENA NOLL UND PETER SCHNEIDER
KLANG UND OBJEKTE: Robert Rehnig
AM KONTRABASS Franz Schwarznau
REGIE: Friederike Köpf
Foto: Detlev Endruhn

Caboom

CABOOM verbindet die musikalische Power des Stepp mit der Bildkraft des zeitgenössischen Tanzes: ein pulsierendes, leidenschaftliches, raubeiniges Stück über Chaos in Leben und Gesellschaft.

Chaos herrscht, wenn Situationen unberechenbar werden. Wenn Dämme brechen, Pläne scheitern. Wenn auf einmal alles gleichzeitig passiert oder ganz anders kommt als erwartet. Chaos bringt Individuen und Gesellschaften ins Taumeln.

CABOOM feiert das Chaos in einer vielschichtigen Komposition für fünf Tänzerinnen und Tänzer.

SEBASTIAN WEBER DANCE COMPANY
Beteiligte
Andrea Alvergue (Madrid) - Tanz
Helen Duffy (London) - Tanz
Janne Eraker (Oslo) - Tanz
Nik Kemeny (Düsseldorf) - Tanz
Sebastian Weber - Tanz, Choreographie, Leitung
Michela Samaki Pesce (Rom) - Choreographieassistenz
Foto: Tom Dachs

Schrebers Prozess

Von der Vision zum Prozess – Das zweite Tanztheaterstück in den Leipziger Schrebergärten

Noch einmal entwickeln sich die Parzellen der Kleingartenanlage Dr. Schreber zur Bühne, wo das Publikum einem performativen Rundgang folgt. Dabei liegt unser Fokus in diesem Jahr nicht mehr ausschließlich auf den Erziehungspraktiken des Vaters Schreber sondern auf den daraus resultierenden Schicksalen der betroffenen Generationen. Beleuchtet wird die Rolle der Frauen in Schrebers Umfeld sowie der Psychiatrieaufenthalt und der Gerichtsprozess seines ältesten Sohnes Paul Schreber.
Paul schrieb während seines Aufenthalts in der psychiatrischen Klinik sein Buch “Denkwürdigkeiten eines Nervenkranken”. Einige Psychiatriepatienten um die Jahrhundertwende verfassten autobiographische Erzählungen, so genannte „Irrenbroschüren“, um die „Macht der Psychiatrie“ anzugreifen, Prozessgegner zu entwaffnen oder Verbündete im Kampf mit den Behörden zu gewinnen.
Schrebers Umgang mit dem Gericht, dem medizinischen Gutachter und seiner
Familie sowie seiner Ehefrau Ottilie Sabine Schreber, die eine wichtige Rolle in dem Verfahren spielte, werden im Stück Schrebers Prozess aufgegriffen und performativ bearbeitet.
So entstehen zum einen fragmentarische Bilder von Persönlichkeiten und der Zeitgeist ganzer Generationen, die von den Auswirkungen der schreberschen Erziehungsmethoden direkt betroffen waren, zum anderen findet das junge Publikum überraschende Momente mit sich und der Gegenwart.

urban collective (Ronny Hoffmann, Claire Wolff, Ramona Lübke, Anja Dietzmann)

Beteiligte
Dramaturgie, Text: Damian Popp
Tanz: Ronny Hoffmann, Claire Wolff, Ramona Lübke, Anja Dietzmann
Gasttänzerinnen: Elisabeth Zunk, Nora Frohmann, Mechthild Taskas, Jule Grebe, Jolanda Lülsdorf, Josefine Schlät, Maria Ladapoulos, Maike Hautz
Schauspiel: Jennifer Demmel
Gesang: Paula Rohde
Musik: Hansi Noack
Kostümbild: Lenki Behm, Marianne Heide
Spezialtechnik: Robert Schiller
Licht, Video, Ton: naturton
Sprecherin: Ingeborg Wolff
Audioaufnahmen, Fotos: Benjamin Streitz

Forever Dead

Agnes und Lars sind vorbereitet auf die Zombie-Apokalypse. Sie haben die Zeichen der Zeit erkannt und warten auf den Tag X. Als es soweit ist, läuft nichts wie es soll. Die beiden müssen sich in einem leerstehenden Gebäude verschanzen und ihre Chancen auf ein Überleben neu durchrechnen. Aber der Horror vor der Tür lässt sich nicht aussperren. Angst, Paranoia und ein grausames Geheimnis brechen sich immer weiter Bahn, bis die beiden nicht mehr wissen, vor wem oder was sie überhaupt sicher sind.

Forever Dead ist eine Koproduktion von apocalyptic4 und den Cammerspielen Leipzig.


Beteiligte

Text & Regie: Cynthia Friedrichs
Videos: Mira Sommer
Schauspiel: Katja Göhler & Kevin Körber
Musik: Rasmus Rudengren
Kostüme: Doreen Winkler
Foto: Mira Sommer

Sie könnten erst einmal so höflich sein, mir guten Tag zu sagen!

Auf der Suche nach der verlorenen Zeit
Marcel Proust 3 / 267-435

Jemanden „dissen“? Ist ein relativ neuer Begriff. Aber ein sehr alter Vorgang. Marcel Proust zum Beispiel wusste bestens Bescheid über diesen fragwürdigen Sozialsport. Die Lästerorgien der Adligen in seinem Jahrhundertwerk „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ zeugen davon. Andere erniedrigen, um sich selbst zu erhöhen – das war freilich nicht nur in den Salons der Pariser Gesellschaft um 1900 verbreitet. Sondern ist quer durch die Zeiten, Schichten und Milieus zu beobachten. Wie behaupten Menschen ihren Status? Welche Mittel sind recht im Kampf um Rang und Existenz? Welche Rolle spielen Religion, Sexualität? Fragen, die den Regisseur Christian Fries mit Proust faszinieren. Fries hat ja schon in seiner Ibsen-Inszenierung „Rosmersholm“ („Höchst sehenswert!“, WN) das zeitlose Spiel um Macht und Manipulation seziert. Hier nun lässt er die subtile Hellsichtigkeit Prousts leuchten – die nicht selten eine comicverdächtige Komik birgt. Auch das gehört dazu. Das Dissen hat viele Gesichter.

Eine Produktion von neubau + AGGREGATE in Kooperation mit TheaterschaffT Leipzig, Theater im Pumpenhaus Münster und LOFFT – Das Theater.

Beteiligte
REGIE+MUSIK Christian Fries
SCHAUSPIEL Astrid Kohlhoff, Verena Noll, Stefan Ebeling, David Fischer
BÜHNE+KOSTÜME+SZENOGRAFIE Silvio Beck
FOTO René Schäffer

Adolf macht Urlaub

Das Theater ADOLF SÜDKNECHT startet in den Urlaub – in Form der Theater-Sonder-Mini-Staffel ADOLF MACHT URLAUB.

In sechs in sich abgeschlossenen Episoden begibt sich die Seifenoper-Improschau in die Alpen. Das Theater ADOLF SÜDKNECHT wandelt dort auf den Spuren Erich Kästners, sowohl inspiriert durch seinen Roman „Drei Männer im Schnee“ als auch leibhaftig verkörpert durch einen Schauspieler, der sich vorher in Kästners Biografie vertieft hat.

Ein turbulenter Urlaub für den Kneipenbesitzer Südknecht, denn vor Ort wird er mit dem Schriftsteller Kästner verwechselt. Schnell stellt er fest, wie sehr ihm die Vorzugsbehandlung gefällt und er nimmt seine neue Rolle an.

Allerdings beginnt sich ab diesem Moment die Schraube von Verdrehungen, Ausflüchten, Liebschaften und Bedrohungen unaufhörlich zu drehen. Zu allem Übel kommt, dass der echte Kästner inkognito im Hotel untergetaucht ist und sich nun quasi mit seinem Alter Ego konfrontiert sieht.

Kästner hat fünf Epochen deutscher Geschichte durchlebt und gegen diese bewegenden Zeiten immer wieder in seinen Romanen und Drehbüchern (Schein)Welten gesetzt. In ihnen geht es zwar spannend, aber vor allem harmonisch zu und es endet immer glücklich. Jetzt steckt er in einer Schaffens- und Identitätskrise, von der er sich zu erholen sucht.

Zusammen mit Südknecht reflektiert Kästner schließlich seine Biografie und stellt sie kritisch seinem Werk gegenüber. Ein kleines Abenteuer, an dessem dicken Ende für Südknecht wie für Kästner die Beantwortung der Frage nach Schein und Sein steht.

Adolf Südknechts fiktive Geschichten werden versponnen mit den in Kästners angelegten Roman-Verwechslungen und mit Kästners dokumentierter Biografie. Dies vor dem Hintergrund einer landschaftlich spektakulär entrückten, aber sich vor den Weltgeschehnissen keineswegs verstecken-könnenden Kulisse.

Beteiligte
Konzept: Armin Zarbock, August Geyler, Claudius Bruns.
Es schauspielen improvisierend:
Armin Zarbock – Adolf Südknecht
August Geyler – Friedrich Krause, Anton Südknecht
Larsen Sechert – Alle Zugreisende
Heike Ronniger – Die Liaison
Verena Noll – Hotelangestellte 1
Henriette Konschill – Hotelangestellte 2
Thorsten Giese – Erich Kästner
Martin Kreusch – Bergmensch
Live-Musik:
Claudius Bruns – Klavier
Frank Berger – Schlagzeug
Elena Lorenzon – Gesang
Foto: RobertAmarell

Papa Löwe und seine glücklichen Kinder

Ein großer Haufen Dinge, Lebendigkeit und Chaos als Anmutung einer Wohnung. Ein Löwe weckt morgens seine Frau, beide gespielt vom gleichen Spieler. Die Frau verabschiedet sich ins Büro. Der Löwe bleibt zu Hause mit seiner Arbeit am Computer und den sieben Kindern, ebenfalls vom gleichen Spieler animierte Puppen. Im Verlauf des Tages äußern die Kinder nacheinander sehr unterschiedliche Wünsche, die der Vater parallel zu seiner Arbeit erfüllt. Auch surreale Wünsche werden sofort in die Tat umgesetzt: ein Kind baut zum Beispiel mit dem Vater eine Rakete und fliegt damit ins Weltall. Es entstehen Szenarien einer kindlichen Phantasiewelt, die die Koordinaten der Arbeitswelt des Vaters aushebeln.

Ciacconna clox lädt zu einem Theater ein, in dem Kinderwelt und Erwachsenenwelt mal turbulent, mal nachdenklich, meistens lustig und immer liebevoll aneinandergeraten - zum Glück!

Spiel Stefan Ebeling
Regie
Jan Jochymski
Figurenbau
Franziska Eisermann
Kostüme
Norbert Ballhaus
Produktionsleitung
Josepha Vogel
Foto Falk Messerschmidt

ΒᾸΘΟΣII (BATHOSII)

Das Wort ΒᾸΘΟΣII (BATHOSII) kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Raumausdehnung (d. h. Tiefe, Höhe, Breite, Fülle), aber auch Bedeutungstiefe. Die installative Performance BATHOSII ist eine empfindsame Wahrnehmungsreise, die Raum für eine besondere körperliche Tanzerfahrung schafft – eine Einladung, sich selbst in Beziehung zu den Körpern der Tänzer*innen zu erfahren. Mit Methoden aus Performance, Tanz und Bildender Kunst hinterfragt Charlie Fouchier die Trennung zwischen Publikum und Darstellenden. Die Unmittelbarkeit dieser körperlichen Erfahrung lässt fragile, sinnliche Bewegungen entstehen. Berührend und kraftvoll zelebriert BATHOSII tänzerisch die ungreifbare Andersartigkeit des Anderen.

Beteiligte
Leitung: Charlie Fouchier / Tanz: Clara Sjölin, Nils Ulber, Charlie Fouchier / Kostüm: Marina Inanina / Licht: Thomas Achtner / Bühnenbild: Charlie Fouchier und Team

Come as you are # 2017
Was passiert, wenn syrische Tänzer, die in ihrer Heimat in Folklore- und Ballet-Tanzshows auftraten, auf die zeitgenössische deutsche Tanzszene treffen? Kann ein Mensch die Geschichte seines Körpers überwinden und eine neue Reise beginnen?

TOTAL BRUTAL zeigt den Prozess der Annäherung von Flüchtlingen an die Berliner Tanzlandschaft. Der Fokus des Projekts liegt auf den physischen Hürden ihres Alltags, auf ihren mentalen Veränderungsprozessen und neuen Begegnungen in der Großstadt.

COME AS YOU ARE #2017 ist die körperliche und theatrale Erkundung dreier Performer, deren tänzerischer Hintergrund sich radikal von der Berliner Szene unterscheidet und die nun aber in dieser Stadt angekommen sind und versuchen, sich in ihr zurecht zu finden. Ihre neuen Eindrücke von der hiesigen Kulturszene, neue Liebesgeschichten, Hoffnungen und tägliche Erfahrungen, die schnell zu Albträumen werden könnten, fließen in das Stück ein.

Beteiligte
Choreographie und Regie: Nir de Volff
Tänzer und Performer: Medhat Aldaabal, Moufak Aldoabl, Amr Karkout
Licht: Asier Solana Arce (Berlin) und Andrej Schwabe (Leipzig version)
Foto: Bernhard-Musil
Einsame Menschen

Bei Familie Vockerat schwinden zunehmend Harmonie, Vertrauen und Wertschätzung. Spätestens nach der Taufe des Sohnes von Johannes und Käthe fällt der Vater in eine Sinn- und Lebenskrise. Mit seiner wissenschaftlichen Arbeit kommt er nicht voran, seine Ehefrau Käthe hält er für ungebildet und gleichgültig. Johannes‘ Vater spricht ihm ins Gewissen und appelliert unaufhörlich an dessen Glauben, den Johannes aber längst verloren hat. Selbst seine einzige Freundschaft setzt er auf`s Spiel, in dem er narzisstisch seinen vermeintlich richtigen Zielen folgt.

Die Inszenierung zeigt fernab einer naturalistischen Spielweise ein gestörtes Familienleben, das sich heute z. B. in immer höheren Trennungs- und Scheidungsraten offenbart. Warum scheint ein Zusammenleben über größere Zeiträume in der modernen Gesellschaft fast unmöglich? Mangelnde Konflikt- und Kompromissfähigkeit des Einzelnen? Gibt es heute zu viele Möglichkeiten sein Leben zu gestalten?

Einsame Menschen ist eine Produktion der Cammerspiele Leipzig

Beteiligte
Besetzung: Anne Rab/ Jennifer Demmel, Victoria Schaetzle, Thomas Deubel, Falko Köpp, Dietmar Voigt
Regie: Danilo Riedl
Dramaturgie: Christoph Awe
Regieassistenz: Lisa Schulze
Kostümberatung: Josef Weitenbörner
Foto: Mathias Schäfer

Er war ja nicht mal deutsch, der Wald

In einer Kiste zwischen Kassetten mit Gutenachtgeschichten, aufgenommenen von seinem deutschen Großvater, findet der Schauspieler Soheil Emanuel Boroumand ein unbekanntes Tonband mit der Aufschrift „Russland“. Auf diesem sind die Erinnerungen des Großvaters an den Zweiten Weltkrieg zu hören. Erinnerungen, die er nie mit seiner Familie teilte. Auf der Kassette erzählt er sie mehrmals im selben Wortlaut. Die Wiederholungen gleichen einer Selbstvergewisserung und kreisen wieder und wieder um die Frage nach der eigenen Verantwortung und Schuld im Kontext des Genozids an den Juden.

Tonbandaufnahmen und persönliche Erinnerungen des Schauspielers an den liebevollen, gleichzeitig kühlen und distanzierten Großvater ergeben die Grundlage des Stücks. Es untersucht die Nachwirkungen der traumatischen Verbrechen des NS-Regimes auf die dritte Generation, ebenso wie die bis heute aktuelle Frage der Schuld vermeintlich passiver Mitläufer.

Das [naɪ̯n] theaterCoLaborativ ist eine Gruppe junger Theaterschaffender aus Leipzig und Berlin. Seit 2013 entstanden verschiedene Produktionen, die sich frei zwischen Sprechtheater, Performance und Hörspiel bewegen. Gefördert wurden diese u.a. vom Kulturamt Leipzig, der Kulturstiftung Sachsen und der Leipzig- Stiftung.

Beteiligte
Text & Spiel: Soheil Emanuel Boroumand
Regie & Dramaturgie: Christian Udo Eichner
Video: Judith Meister
Bühnenbild & Ausstattung: Markus Braun
Konzept: Soheil Emanuel Boroumand, Sebastian Thiers, Christian Udo Eichner
Dramaturgie & Presse: Kyra Sell
Grafik: Jenny Fitz
Foto: Judith Meister

Götter und Helden - schmutzige Wäsche

Wer sorgt für den Ruhm, die Anerkennung? – Ich? Mein Biograph? Irgendein Geschichtenerzähler? Werden Helden oder Superstars geboren oder werden sie gemacht? Jeder Held, jeder Star mit einer makellosen Geschichte hat irgendwelche Flecken auf der weißen Weste, Dreck am Stecken oder Leichen im Keller. Man muß nur lange genug suchen. Endlich ist es soweit: Nach den Heldengeschichten des Odysseus, die das 3nsemble 23 in den vergangenen Jahren noch unter dem Namen Theater SÜDSTAATLER auf die Bühne gebracht hatte, erzählt die Truppe mit ihrem neuen Stück all die Geschichten, die nicht zu Heldenlegenden taugen.

Nach 10 Jahren Theaterarbeit unter dem Namen Theater SÜDSTAATLER tritt das neugegründete 3nsemble 23 mit seiner ersten inklusiven Produktion auf.

Beteiligte
Es spielen: Franziska Hoff, Marie-Luise Hartmann, Monika Hartung, Nina-Maria Föhr, Silke Neumann, Balduin Schöpe, Michael Quasdorf u.a.
Musik: Roberto Fratta
Bühne: Sven Nahrstedt
Video: Laura Därr
Technik: Thomas Teichmann
Regie: Sebastian Mandla
Foto: die naTo

tacet oder der Klang des Schweigens

Eine Adaption des Hörspiels TACET (RUHE 2) von Paul Plamper.

Alle reden. Eine junge Frau namens Therese schweigt. Von einem Moment auf den anderen. Kein traumatisches Ereignis geht dem voraus, es geschieht einfach. Um die schweigende Frau gruppieren sich ihre Mitmenschen (Familie, Freunde, Therapeuten), die nichts unversucht lassen, Thereses „Zustand“ zu ergründen.

Thereses Haltung folgt einem Impuls, der sowohl die anderen Figuren als auch die Zuschauer vor ein schier unlösbares Rätsel stellt. Ihr spontanes „drop-out“ innerhalb einer Informations- und Kommunikationsgesellschaft erweist sich als subversiv. Das Schweigen provoziert, löst aber fatalerweise keine Probleme. Die Fragezeichen bleiben.

Der Berliner Hörspielautor Paul Plamper befasst sich in drei Hörspielen mit dem Thema Ruhe. TACET (RUHE2) offenbart durch das Schweigen die radikalste Konsequenz. In den Cammerspielen Leipzig wird mit „tacet oder der Klang des Schweigens“ erstmalig eine Adaption von Plampers Hörspiel auf die Bühne gebracht.

Woher? Wohin? Was ist der Mensch? Haben Beziehungen Sinn? Gibt es ein analoges Leben im Digitalen?

„tacet“ bietet keine Antworten. „tacet“ ist ein Angebot. In einer experimentellen Performance verbinden sich Sprech- und Tanztheater. Am Ende darf und muss gedacht werden.

Produktion der Cammerspiele Leipzig

Beteiligte
Es spielen: Laura C. Jansen, Steffi Dautert & Alexander Aue
Regie: Marlen Riedel
Dramaturgie & Öffentlichkeitsarbeit: Christoph Awe
Bühne & Ausstattung: Anna Gierster
Produktionsleitung: Steffi Dautert
Assistenz: Jessica Pollnau
Fotos & Video: Thomas Bär
Trailer: Sebastian Gomon

herr.knecht

Ein Herr. Ein Knecht. Ein Grundstück. Eine Reise, die in einem Schneesturm endet. Während der eine nur an das Grundstück und den damit zu erreichenden Profit denkt, arbeitet der andere, damit der eine ebendies erreicht.

Wer ist Herr? Wer ist Knecht? Und wieso überhaupt? Kann man alles alleine erreichen, ohne sich jemanden zum Knecht gemacht zu haben? Sind wir nicht alle Knecht von irgendetwas? Während die einen Reichtümer zusammenraffen arbeiten die anderen für einen Hungerlohn. „Die glauben, dass alles vom Glück abhängt. Da, dieser Mironow, der ist jetzt Millionär. Und warum? Gearbeitet hat er, gearbeitet. Dann gibt’s einem der liebe Gott.“

„Warum bleibst du bei mir?“
„Warum behältst du mich?“
„Es gibt sonst niemand.“
„Es gibt sonst keine Stelle.“

Wassilij Andrejitsch hatte es in seinen zwei Pelzen ganz warm […] Nikita spannte unterdessen das Pferd aus.`Doch in der Not tauschen Herr und Knecht die Rollen. Die Hierarchie gerät aus dem Gleichgewicht: „Wassilij Andrejitsch gab keine Anordnungen mehr, sondern tat gehorsam alles, was Nikita ihn hieß.“

Beteiligte
KONZEPT Tobias Amoriello, Paul Langemann, Max Immendorf
REGIE Max Immendorf MIT Tobias Amoriello, Paul Langemann
KOSTÜM Eva Cain
DRAMATURGIE Lisa Ahrens
LICHT Thomas Achtner
WERKSTATTMACHER*IN Manuel Wagner, Annkathrin Wick

Eine Produktion von ALI B. in Zusammenarbeit mit Werkstattmacher e.V. und LOFFT – DAS THEATER. Gefördert von der Stadt Leipzig, Kulturamt und dem FSR Theaterwissenschaft.

Georg Büchner Fragmentstück

Der Mann auf dem Schafott heißt Woyzeck oder Danton oder Camille oder...
Die Falltür reißt das Maul auf und schreit nach Blut. Das Volk will mehr. Tanze, Woyzeck, tanze! Hier ist der Apparat. Steig ein! Wir spannen dich auf. Stülpen dich um, wie einen Handschuh. Drehen dich durch den Wolf, du Hund.

Als Georg Büchner 1837 mit nur 23 Jahren starb, hinterließ er drei Theaterstücke, eine Erzählung und wenige andere schriftliche Zeugnisse. Dennoch wirkt sein überschaubares und fragmentarisches Gesamtwerk bis heute wie ein Vorschlaghammer, geführt mit der Präzision eines Anatomen. Im FRAGMENTSTÜCK begegnen sich Büchners Protagonisten „auf freiem Felde“ am Fuße eines hölzernen Schafotts im zeitlichen Irgendwo. Sie laborieren an den gleichen Leiden. Sie leiden an der gleichen Erkenntnis: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf und dem Wolf eine Bestie. Und die Bestie muss sterben. Quod erat demonstrandum.

Die Inszenierung bildet den Höhepunkt einer intensiven Beschäftigung mit Büchners klarsichtigem und gegenwärtig wirkendem Gesamtwerk. Sie begann mit einer Rekonstruktion der Hinrichtung des realen Johann Christian Woyzeck auf dem Leipziger Markt. Nach drei ortsspezifischen Lectures im Hörsaal der Anatomie, in der ehemaligen zentralen Hinrichtungsstätte der DDR und im Naturkundemuseum Leipzig führt sie nun in den Theaterraum der Schaubühne, wo sich Fundstücke der Recherche und Büchners Texte in einer neuen Fassung verknüpfen.

Eine Theaterproduktion der Schaubühne Lindenfels in Kooperation mit dem Schau-Ensemble

Beteiligte
Schauspiel: Laila Nielsen, Marie Wolff, Raúl del Pozo, Johannes Gabriel, David Jeker, Mario Rothe-Frese  
Regie: René Reinhardt
Dramaturgie: Friederike Köpf
Bühne & Kostüm: Elisabeth Schiller-Witzmann
Video: Thadeusz Tischbein
Assistenz: Jessica Hölzl, Tina Kämpfe
Technik: Jan Ehrlich, Benjamin Henkel
Foto: Mim Schneider

FCK!T

Eine choreographische Zerstörung der weißen Vorherrschaft.

„FCK!T“ macht auf den erfolgreich integrierten, gesellschaftlich tolerierten und fortgesetzten Rassismus aufmerksam und setzt ihm den eigenen Körper entgegen. Auf der Bühne entstehen Bilder, Räume und Gedanken, die den strukturellen, institutionellen Rassismus als Teil der westlichen Kultur und des Arbeitsmarktes verarbeiten und zerstören.

„FCK!T“ macht auf den erfolgreich integrierten, gesellschaftlich tolerierten und fortgesetzten Rassismus aufmerksam und setzt ihm den eigenen Körper entgegen. Auf der Bühne entstehen Bilder, Räume und Gedanken, die den strukturellen, institutionellen Rassismus als Teil der westlichen Kultur und des Arbeitsmarktes verarbeiten und zerstören.

„FCK!T“ ist eine Koproduktion von danaehelios a.k.a cobratheater.cobra und den Cammerspielen Leipzig.

Beteiligte
Von und Mit: Mona Louisa-Melinka Hempel, Jenifa Simon, Raha Rezaei, Emiko Gilbert
Außerdem: $OFT
Komposition: Dario Quinones
Produktionsleitung: Calendal Klose
Foto: Hendrik Pupat

Drang

In der deutschen Sprache ist der »Instinkt« verwandt mit dem sechsten Sinn und dem Bauchgefühl, Immanuel Kant beschreibt ihn als „ein gefühltes Bedürfnis, etwas zu tun oder zu genießen, wovon man noch keinen Begriff hat“. Eine wissenschaftlich anerkannte Definition des Wortes existiert nicht, in Biologie, Pädagogik und Psychologie wird es trotzdem gerne genutzt.

Mit dem Stück »Drang« erforschen die Tänzerinnen die Zusammenhänge zwischen Physis und Psyche, Kopf und Bauch, Intellekt und Instinkt. Dabei stellen sie Fragen, die auch in der Forschung gestellt werden und beantworten diese auf ihre ganz eigene Art und Weise? Was ist eigentlich dieses Bauchgefühl? Warum können wir manche Menschen »überhaupt nicht riechen«? Wer braucht eigentlich einen Beschützerinstinkt und wie verändert sich der kindliche Bewegungsdrang, wenn im Alter körperliche Einschränkungen dazu kommen? Kennen wir unsere Instinkte? Und wenn ja, können wir sie verlieren oder sind sie eine Art neurologischer Hardware, fest verdrahtet und unveränderbar?

Der tanzZenit wurde 2006 von den Bühnentänzerinnen Undine Werchau, Johanna Kecke und Sophia Rändler in Leipzig gegründet. Neben seiner Arbeit im professionellen Tanz engagiert sich der Verein auch in soziokulturellen Projekten.

Beteiligte
Von und mit: Undine Werchau, Johanna Kecke, Sophia Rändler
Foto: Jens Straube

Version_Gender me

Ein performatives TanzSchauspiel, inspiriert von den Fragen
Was ist Mann? Was ist Frau? Was ist Mensch?
Wir suchen und entwerfen im Duo, Bewegungen und Formen nach dem männlichen und weiblichen Prinzip, verweben Texte u.A. von Lann Hornscheidt und Unika Zürn.

"Wie wohl wäre mir, könnte ich etwas sein, dass weder Frau noch Mann wäre. Gäbe es das, würde ich sogleich darin wohnen möchten. Vielleicht würde ich dann zu mir selbst - ( oder zu Dir) kommen ?" Unika Zürn


Beteiligte

Milena Gürtler - Choreographie, Darsteller, Produktion
Gundula Peuthert - Choreographie, Dramaturgie, Darsteller, Technik
Foto - Kerstin Mauersberger